Das Geheimnis beim Tanzen

Sarah/ Februar 7, 2018

Dass es wunderschön aussieht, wenn ein geübtes Tanzpaar seine Performance abliefert, steht vermutlich außer Frage. Wie viel Training da dahinter stecken muss! Und wie perfekt sie aufeinander abgestimmt sind – jeder Schritt sitzt und das Geniale dran: Sie harmonieren dabei auch noch so gut.

Mein Freund und ich sind nun weder ein Profitanzpaar noch harmonieren wir immer so perfekt auf dem glatten Tanzparkett. Er muss sich da öfter mal die Aufforderung anhören, er müsse deutlicher führen und ich bekomme im Gegenzug den Vorwurf, mich nicht führen zu lassen. Womit er leider sicher Recht hat. Ich finde das nämlich ganz schön schwer. Mir ist lieber – so wie ich es bei den ersten Standard-/Lateintanzkursen gelernt habe – mir die Schritte gut einzuprägen und die Figurenkombinationen immer in der gleichen Reihenfolge zu tanzen. Dann braucht der Herr eigentlich nicht mehr so viel zu führen, denn die Dame weiß sowieso was kommt. Damit bin ich einige Jahre gut durchgekommen und nach ein paar Diskussionen auf der Tanzfläche mit meinem Liebsten hat auch er sich sogar die Mühe gemacht, stets eine ähnliche Figurenabfolge einzuhalten. Für mich bestand dadurch bequemerweise gar nicht so viel Notwendigkeit, mich führen zu lassen.

Es hat tatsächlich bis zum Rueda-Tanzkurs gedauert, bis ich endlich begriffen habe, dass es doch wertvoll sein kann, sich führen zu lassen. Nochmal kurz zur Erklärung: bei Rueda werden Salsafiguren im Kreis getanzt mit ständig wechselndem Partner. Nach mehreren Grund- und Fortgeschrittenenkursen entschieden wir Mädels uns, den nächst schwierigeren Rueda-Tanzkurs zu besuchen. Leider verpassten wir den ersten Kursabend und so stand ich also letzten Freitag da: Ich hatte keine Ahnung von den spanischen Kommandos des Tanzlehrers. Die Figuren, die er wollte, dass wir alle kollektiv im Kreis gleichzeitig ausführen, waren mir gänzlich unbekannt. Meine einzige „Überlebenschance“ bestand darin, mich führen zu lassen. Eine verzwickte Situation für mich. Doch wenn ich jetzt kniff, konnte ich den Tanzkurs wieder nicht besuchen und würde fürs nächste halbe Jahr wieder keine neuen Figuren dazulernen.

Das Lied ertönte, wir begannen wir üblich mit Grundschritt und da wurde schon die befürchtete unbekannte Figur von mir verlangt. Jetzt half mir mein streberhaftes Lernen der Schritte nichts mehr, ich musste mich führen lassen. Und siehe da, ich erlebte eine ziemliche Überraschung: Ich hatte zwar keine Ahnung, was ich da tanzte und welche Schritte und Drehungen hierfür notwendig waren, aber indem der Herr mich führte, tanzten wir problemlos die geforderte Schrittkombination. Noch erstaunter war ich, als selbiges mit den nächsten beiden Herren auch klappte. Zu dem Zeitpunkt war ich dann auch gleichzeitig ein bisschen stolz auf mich, dass ich mich darauf eingelassen hatte und auf die Führungssignale der Herren geachtet hatte. Das funktioniert also wirklich – wie cool!

Einräumen muss ich allerdings, dass ich mich schon wohler fühle, wenn ich selbst auch weiß was kommt, dann muss ich mich weniger konzentrieren und kann noch mehr genießen. Zum Tanzen mit meinem Freud möchte ich noch festhalten, dass wir uns hier beide weiterentwickelt haben: Er führt meiner Meinung nach deutlicher als früher und ich lasse das auch zu. So gelingt uns mittlerweile so manch harmonischer Tanz <3

photo: ©JBFontus

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