Einen Tipp gibt’s eigentlich immer!

Sarah/ März 7, 2018

Von Smalltalk hab ich früher nichts gehalten. Mittlerweile hab ich es nicht nur als notwendiges Übel akzeptiert, sondern auch als gute Möglichkeit erkannt, um Geschäftsbeziehungen zu knüpfen und zu pflegen. Netzwerken ist hierfür das Stichwort unserer Zeit. Das vor ein paar Wochen stattfindende Forum Sozialmanagement der FH OÖ betrachtete ich als Gelegenheit dazu. Unter dem Titel „Zukunft sichern durch Personalmanagement“ versammelten sich Personalverantwortliche aus dem Sozialbereich. Meine Chefin befand die Veranstaltung zum Glück als wichtig für uns und schickte mich hin.

Meine Vorfreude war durchaus groß. Vor allem deshalb, weil ich seit meinem Studienabschluss zum ersten Mal wieder an der Fachhochschule war. Das weckte schöne Erinnerungen. Auf den Inhalt der Vorträge war ich ebenfalls gespannt. Die eingeplanten großzügigen Pausen weckten eher keine Begeisterung bei mir, denn das Smalltalken liegt nach wie vor noch nicht so gut. Die erste Hürde war also, das Erstgespräch beim Wellcome Drink in Gang zu bringen. Ich suchte mir einen Stehtisch aus, wo nur eine Dame stand und kam rasch mit ihr ins Gespräch. Dabei beeindruckte mich ihre Begeisterung für das Personalmanagement. Sie ist als Beraterin für Personalthemen tätig und ich tauschte sogleich meine Visitenkarte mit ihr aus mit dem Gedanken, dass sie noch ein wertvoller Geschäftskontakt sein könnte.

Zufrieden mit dem raschen „Erfolg“ setzte ich mich in den vertrauten Saal, um den Vorträgen zu lauschen. Im ersten referierte eine Dame aus Hamburg über die Wichtigkeit von Employer Branding. Im zweiten ging es um die Finanzierungsströme im Sozialbereich und im dritten um die Ängste der Belegschaft in Veränderungsprozessen. Alles spannende Themen mit guten Vortragenden und wertvollen Tipps. Allerdings: neu sind die Themen nicht und dementsprechend waren die Tipps auch keine Überraschung. Dennoch konnte ich mir ein paar Gedanken mitnehmen, denn perfekt sind wir in unserem Unternehmen noch nicht – es gibt immer Stellschrauben an denen man drehen kann, Teilbereiche, denen man mehr Aufmerksamkeit schenken kann und Konzepte, die man weiterentwickeln kann. Darum schockierte mich die Arroganz mancher Besucher, als es beim Pausengetränk hieß: „Naja, so gut waren die Vorträge jetzt nicht, das wissen wir eh alles schon.“ Ja okay, bahnbrechend neue Erkenntnisse wurden nicht präsentiert, ABER setzt ihr das wirklich alles schon so gut um in euren Organisationen, hätte ich die Herrn in den Anzügen gern gefragt. Wer weiß, wie viele von ihnen, dann noch so überzeugt von der Vollkommenheit ihres Personalmanagements gewesen wären. Gut, ich wollte nicht provokant werden, stellte meine Frage nicht und lächelte nur in mich hinein mit der Gewissheit, dass es für mich definitiv KEIN verschwendeter Vormittag gewesen war.

Später unterhielt ich mich nochmal mit der Personalberaterin, die ich als erste Besucherin kennengelernt hatte. Ich erzählte ihr, dass unsere Organisation noch Aufholbedarf beim Personalmanagement hat und ich mir oft nicht traue, das so deutlich bei Leuten aus der Privatwirtschaft zuzugeben. Es ärgert mich nämlich, wenn diese dann den öffentlichen Sektor belächeln und nicht ernst nehmen. Auch wir im Sozialbereich zeigen vollen Einsatz, sind gut ausgebildet und arbeiten an ständiger positiver Weiterentwicklung.

Die Antwort meines Gegenübers: „Ihr braucht euch im Sozialbereich nicht verstecken hinter internationalen Konzernen: Man braucht nur nicht alles neu erfinden und kann sich an Good Practise Beispielen orientieren.“ Da konnte ich ihr nur zustimmen. Wenn ich von jemandem höre, dass dieses oder jenes Personalmanagement-Instrument schon super etabliert ist, lasse ich mir die Erfahrungen damit gern näher schildern und überlege, was ich davon in welcher Form in meine Organisation übernehmen kann.

Die Kombination aus beidem wird uns wohl weiterbringen: Die Theorie, wie sie u.a. an der Fachhochschule gelehrt wird genauso, wie die Erfahrungsberichte aus der Praxis.

Auch wenn ein Teil der Besucher des Forums keine neuen Erkenntnisse mit nach Hause nahm – mein mitgebrachter Notizblock war nicht leer geblieben 😉

2 Kommentare

  1. Ja, da hast du recht – irgendwas neues erfährt man immer (oder man bekommt zumindest Denkanstösse). Wobei’s mir auf den allermeisten Konferenzen aber auch so geht, dass ich nix grundlegend Neues höre.

    1. Danke für deinen Kommetar! Oft steht ja auch das Kontakte knüpfen & pflegen im Vordergrund und nicht so sehr der Gewinn neuen Wissens.

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