„I am from Austria“ im Raimundtheater

Sarah/ März 14, 2018

Gleich geht es los! Der schwere rote Samtvorhang ist ein beliebtes Fotomotiv in Zeiten von Instagram & Co. Erstaunlich viele junge Zuseher haben auf den gemütlichen Sesseln Platz genommen. Punkt halb fünf setzt die für Musicals so typische schwungvolle Musik ein. Gemächlich muss der elegante Vorhang weichen. Eine Reise beginnt, eine Reise in eine andere Welt.

Fünf Stunden vorher…

Was soll ich anziehen? Hmh, am besten den blauen Rock und die eine Bluse, die passt ganz gut dazu. Gerade richtig für den Theaterbesuch. Und zwar nicht für irgendeinen, nein, heute geht’s ins Wiener Raimundtheater und das ist jedes Mal was Besonderes. Nicht nur, weil es gleich ein halber Tagesausflug wird, wenn man zuerst mal nach Wien muss.

Ich gebe zu, ich habe gezögert als Mama fragte, ob ich mir mit ihnen „I am from Austria“ ansehe. Die bekannteren Lieder von Rainhard Fendrich kenne ich als Tochter großer Austropop Fans natürlich. Aber ob mir das gefallen wird?

Soviel sei vorweggenommen: Ich bin sehr froh, mich dafür entschieden zu haben!

Das Stück glich wie erwartet einer seichten Komödie, doch etwas anderes will man beim Musical eh nicht sehen. Ich bin meist deshalb schon hin und weg, weil die Leute auf der Bühne doch tatsächlich singen, tanzen und schauspielen gleichzeitig! Unglaublich wie man alle drei Dinge beherrschen kann und dann auch noch zur gleichen Zeit anwenden kann. Ich bin etwa beim Tanzen, vor allem bei anspruchsvolleren Choreografien, hauptsächlich mit Atmen beschäftigt und konzentriere mich auf meine Schritte. Dabei auch noch die Mimik unter Kontrolle zu haben und so zu wirken, als wäre das alles gar nicht anstrengend, ist für mich total bewundernswert ;).

Erstaunt hat mich auch das Bühnenbild. Bisher kannte ich eher opulente oder reduzierte Varianten, die Kombination mit digitalen Elementen im großen Stil war mir neu. Fand ich sehr gelungen!

Generell war das Stück, da es ja noch keine 100 oder 200 Jahre alt ist, gleich viel moderner, im Inhalt, der Wortwahl und beim Sprachwitz. So manche Pointe konnten die älteren Zuseher wohl nicht einordnen, weil ihnen das Vokabular nicht bekannt war.

Mir gefielen diese modernen Elemente und die Gesellschaftskritik, die mitschwang. Vor allem aber gewann ich eine interessante Erkenntnis:

Generell bin ich kein Mensch großer Heimatliebe. Ich weiß, wo ich her komme und ich bin tief verwurzelt in Österreich. Ich schätze das Land und möchte nirgendwo anders leben. Aber dieser große Stolz auf Kultur, Land und Leute ist mir eher fremd. Im Musical hörte ich aber mal genauer hin auf die Texte des großen österreichischen Künstlers und fand daran durchaus Gefallen. Mit der Heimatverbundenheit, die da transportiert wurde, konnte ich mich gut identifizieren. Auch wenn es ungewohnt war, so viel Dialekt (und vor allem den „Weaner Dialekt“) zu hören und es die Schauspieler so manches Mal hörbar herausforderte, im Dialekt zu sprechen und zu singen, hatte es etwas Vertrautes.

Somit kann ich wiedermal nur resümieren: ein Besuch im Raimundtheater ist die Fahrt nach Wien allemal wert. Selbstverständlich gibt es auch in Linz tolle Produktionen, aber aus dem Raimundtheater ging ich bisher jedes Mal beeindruckt und berührt wieder nach Hause. Nebenbei war es natürlich cool, dass so namhafte Schauspieler mitwirkten (Lukas Perman, Andreas Steppan, Dolores Schmidinger). Ich möchte das Stück ausdrücklich empfehlen, auch weil es im positiven Sinne modern ist und inszeniert wurde.

Hinterlasse eine Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*