Plastikmüll muss nicht sein!

Sarah/ Februar 28, 2018

„Man muss nicht perfekt sein. Es helfen bereits Kleinigkeiten, wie beim Hugo in der Bar den Strohhalm abzulehnen. Man lernt mit den irritierten Blicken umzugehen“, erzählt meine Arbeitskollegin von ihrem Alltag. Seit April 2017 versucht sie Plastikmüll zu vermeiden. Ich fand das spannend und hab ihr ein paar Fragen gestellt:

Du versuchst Plastikmüll zu vermeiden, wie geht es dir damit?

Schrecklich! (lacht) Es ist eine ziemliche Umstellung und es wird einem nicht leicht gemacht.

Wie gestalten sich deine Einkäufe?

Ich brauche meist eine halbe Stunde länger, da das meiste in Plastik verpackt ist. Das hat aber auch seine Vorteile, man kauft dadurch bewusster ein und vermeidet Spontankäufe. Obst nehme ich lose oder verwende eine Schachtel, die meist im Geschäft herum liegen. Käse benötigt bereits eine gewisse Planung, Behälter mitnehmen und reinfüllen lassen oder leider darauf verzichten :-). Die Verkäufer sind Großteils sogar erfreut und äußern sich positiv!

Ich hab nun auch begonnen, meine Reinigungsmittel selbst zu machen. Beispielsweise nimmt man Orangenschalen, bedeckt sie mit Essig, lässt das Gemisch zwei Wochen stehen und kann es verwenden, um beispielsweise die Badewanne zu reinigen. Die Anregungen dafür hole ich mir oft von Pinterest oder Youtube. Es funktioniert zwar nicht immer, aber man kommt hin!

Ich verwende jetzt auch schon seit zwei Monaten ein selbstgemachtes Deo, der erste Versuch ist zwar nicht so gut angekommen :), aber das jetzige hält super! Man benötigt dazu nicht allzu ausgefallene Zutaten. Das meiste habe ich in der Apotheke gekauft, dort bekam ich es abgefüllt in einem Plastikbehälter. Auf Nachfrage bekam ich jedoch die Antwort, dass ich gerne auch selbst Behälter mitbringen kann. Man lernt mit der Zeit dazu.

Ich hab auch immer einen Thermobehälter eingesteckt, falls ich mir wo coffey-to-go kaufe und auch eine Glaswasserflasche. Da kann dann das Argument kommen: Hey, das ist ja schwer! Aber ich habe eine kleine Glasflasche und nachfüllen kann man sie überall.

Wo fällt es dir am schwersten?

Bei Hygieneartikel hab ich mich noch nicht drüber getraut, obwohl es definitiv auch Möglichkeiten gibt. Toilettenpapier habe ich bei ein, zwei Anbietern im Internet gesehen, jedoch bin ich noch nicht ganz überzeugt. Wenn der Transport und die Verpackung der einzelnen Rollen mitgerechnet werden, ist der Kauf über das Internet etwas fragwürdig. Momentan kaufe ich Toilettenpapier aus recycelten Papier und trenne die Verpackung.

Süßigkeiten zu kaufen, ist eine große Herausforderung und hierbei werde ich manchmal schwach. Wenn ich es mal kaufe, dann trenn ich zumindest den Müll!

Wie bist du drauf gekommen, Plastikmüll zu sparen?

Hmh, mich hat es immer wieder mal gestört, dass wir so viel Müll produzieren. Extrem aufgefallen ist es mir dies vor einigen Jahren während einer Kolumbienreise. Auf dem Weg von einer Stadt zur anderen, „durfte“ ich ewiglange kilometerlange Küstenabschnitte betrachten, die mit Plastikmüll übersät waren. Dies hatte ich zwar nach der Rückkehr noch im Kopf, jedoch vergisst man es dann wieder und ändert vorerst mal nichts am eigenen Lebensstil. Mit der Zeit hat es mich jedoch immer mehr gestört und ich wurde sozusagen allergisch auf Müll. Müllvermeidung ist mir extrem wichtig, wo ich es nicht schaffe, versuche ich mit Mülltrennung ein bisschen etwas wett zu machen.

Wie hat dein Umfeld darauf reagiert?

Mein Umfeld ist nicht so überzeugt vom Müllvermeiden/Mülltrennen. Jedoch bekomme ich jetzt schon immer öfter zu hören, aaaahhhh Einkaufen macht keinen Spaß mehr – du spuckst mir dauernd im Kopf herum.

Was läuft in unserer Gesellschaft falsch?

Mich ärgert es, wenn es heißt, dass man Plastik eh recyceln kann. Man sollte einmal überlegen wieviel wirklich recycelt wird und wieviel einfach in der Natur entsorgt oder verbrannt wird. Was mich auch aufregt ist, dass technische Geräte in der heutigen Zeit oft so gebaut werden, dass sie nach wenigen Jahren automatisches kaputt werden. Es müsste meiner Meinung nach auch nicht 10 gleiche Produkte geben, besser wäre weniger Auswahl, dafür bessere Qualität.

Aber wozu soll man beispielsweise Biomüll verbrennen? Das gehört auf den Kompost!

Gibt es abseits vom Plastikmüll noch Bereiche, bei denen du einen nachhaltigeren Lebensstil pflegst?

Seit Februar 2017 esse ich kein Fleisch mehr. Es ist nicht so, dass ich es nicht gerne gegessen habe, jedoch kann ich es mit mir selbst nicht mehr vereinbaren weiterhin Fleisch zu essen. Den Tieren geht’s einfach nicht gut und das kann ich nicht ignorieren. Eine Filmempfehlung von mir wäre OKJA.

Verzicht auf Milch und Käse schaffe ich leider bislang noch nicht, jedoch versuche ich mich bereits langsam vorzutasten.

Seit Anfang des Jahres haben wir in der Arbeit vereinbart, dass wir keine neue Kleidung kaufen, außer ich brauche sie wirklich. Das heißt, Secondhand oder Tausch ist erlaubt. Letztes Jahr haben wir das auch schon mal gemacht und haben einen Monat durchgehalten 😉 Generell versuche ich jedoch meine Kleidung solange wie möglich zu tragen und nur dann einzukaufen, wenn ich es brauche.

Mein neues Thema ist derzeit Lebensmittelverschwendung, ich bemühe mich alles ein bisschen einzuschränken und wirklich nur zu kaufen, was ich benötige. Dies trifft sich mit dem Thema Plastikvermeidung – da die Auswahl nicht mehr so vielfältig ist! Manche Lebensmittelgeschäfte bieten die Ware reduziert an, wenn sie kurz vorm Ablaufdatum ist. Diese Lebensmittel sind Großteils länger als bis zum Mindesthaltbarkeitsdatum problemlos genießbar. Lebensmittelverschwendung kann mich generell sehr aufregen.

Welchen Tipp hast du für jene, die mit einem nachhaltigeren Lebensstil starten wollen?

Nimm dir eine Stofftasche mit, wenn du wohin gehst!

Ich finde es bereits toll, wenn die Leute im Supermarkt stehen und es ihnen mal auffällt, dass vieles in Plastik verpackt ist. Oder sie überlegen sich gründlich, welche Menge des Lebensmittels sie tatsächlich brauchen, damit nichts im Müll landet.

 

2 Kommentare

  1. Servus Sarah!

    Danke für den Artikel! Je mehr drüber reden und schreiben, umso mehr wird die breite Masse dafür sensibilisiert. Dass das funktioniert, kann man ja in deinem Interview nachlesen: „Einkaufen macht keinen Spaß mehr – du spuckst mir dauernd im Kopf herum.“. Sehr cool 🙂 .

    Auch wenn ich ein Wanderblog habe, schreibe ich auch immer mehr Artikel zum Thema Müll vermeiden / Nachhaltigkeit. Das Thema ist mir einfach zu wichtig geworden, weshalb ich mir für 2018 explizit vorgenommen habe, mich intensiver mit Nachhaltigkeit zu beschäftigen.

    Man muss ja dazu nicht gleich sein Deo selber produzieren 😉 .

    Have fun
    Horst

    1. Ein Wanderblog ist auch eine super Idee! Und Nachhaltigkeit passt ja dann thematisch gut zur Natur.
      Haha, ja das selbstgemachte Deo ist dann schon was für Fortgeschrittene 😉

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