The Green Lie

Sarah/ April 4, 2018

„Es ist nicht alles schlecht, es ist immer dasselbe schlecht“, erklärt Kathrin Hartmann, eine der beiden Hauptdarstellerinnen in der Dokumentation „The Green Lie“ ihrem Kollegen und Regisseur des Films über Nachhaltigkeit Werner Boote. Ihr Elektroauto ist stehen geblieben, die Batterie ist aus, und das mitten im Garzweiler. Dort ist das größte Kohleabbaugebiet Deutschlands und gesund ist die Luft hier sicher nicht. Die Bewohner in der Umgebung haben mit gesundheitlichen Folgen zu kämpfen.

Umweltfreundlich ist auch das Elektroauto nicht. Werner Boote hatte angenommen, der Umwelt damit einen Gefallen zu tun und bei ihrer Reise zu den kritischen Orten punkto Nachhaltigkeit darauf gesetzt. Kathrin Hartmann korrigiert ihn, dass es sich nicht um zig verschiedene tolle umweltschonende Ansätze der Konzerne handelt, sondern es immer die gleiche Lüge ist.

Die Dokumentation nimmt die Perspektive des unbedarften Konsumenten ein, verkörpert durch Werner Boote, der den Gütesiegeln auf den Produkten im Supermarkt Glauben schenkt. Wenn die Unternehmen sogar ein Siegel dafür bekommen, dass sie auf die Umwelt und die Menschen in den betreffenden Ländern achten und nachhaltiges Palmöl verwenden, dann bleibt einem als Konsument kaum etwas anderes übrig, als darauf zu vertrauen.

Bei ihrer Reise um die Welt erkennt Werner Boote und somit auch der Zuseher mit Unterstützung von Kathrin Hartmann und vielen kritischen Experten und Umweltaktivisten vor Ort, dass Dank komplexer Konzernstrukturen, der Existenz von Tochtergesellschaften dem Naheverhältnis von Politik und Wirtschaft sowie fehlender Kontrollen vieles nicht so läuft, wie nach außen hin behauptet. Da wird etwa erklärt, das „Stückchen“ Regenwald brannte von selbst ab, ganz zufällig auf dem Gebiet, das einem der Multikonzerne gehört und für die Gewinnung von Palmöl verwendet werden soll.

Weh tat mir persönlich als die bunten M&Ms über den Tisch kullerten und der indonesische Aktivist Feri Irawan sagte, dass daran das Blut seiner Familie klebe. Es ist schwierig, darauf zu verzichten, wenn sie im Supermarkt so verlockend im Regal hervorblitzen.

Der Professor und Journalist Raj Patel hatte auf die Frage, ob man all diese Produkte gar nicht mehr produzieren könne und kaufen könnte, folgende Antwort: Doch, aber sie würden deutlich teurer sein, wenn sie tatsächlich so hergestellt werden würden, dass weder Natur noch Mensch ausgebeutet werden würden.

Etwas positiver hat mich der emeritierte Professor für Linguistik Noam Chomsky gestimmt. Er gab zu denken, dass alle Rechte, etwa die Frauenrechte, auf einem langen und harten Weg erkämpft wurden. Es besteht somit Hoffnung, dass auch die Umwelt und die Arbeiter in den Regenwaldgebieten irgendwann zu ihrem Recht kommen. Bis dahin fließt wohl noch viel Blut 🙁

Er ergänzte, dass es schon auch gute Ansätze und Konzepte von Unternehmen gibt, um nachhaltiger zu wirtschaften.

Ein weiterer spannender Gedanken, der in der sehenswerten Doku aufgebracht wurde: Die Unternehmen geben die Verantwortung für Nachhaltigkeit gerne an den Konsumenten ab. Schließlich kann der Kunde wählen, bei welchem Produkt er zugreift. Er kann immerhin einfach das teurere mit dem Gütesiegel nehmen. Da machen es sich die Konzernchefs aber zu leicht. Der Einfluss eines einzelner Konsumenten ist bescheiden. Nur gemeinsam mit Wirtschaft und Politik kann ein Umdenken stattfinden. Der günstigste Preis, permanente Gewinnsteigerung und hoher Profit sollten nicht die Maxime unseres Handelns sein. Erst wenn Nachhaltigkeit mehr als nur ein hübscher Begriff für die eigene Unternehmenswebsite ist, hat die Natur eine Chance.

 

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