Während andrer Orts die Sonne scheint, kämpfen wir uns beim Schneeschuhwandern durch den Nebel

Sarah/ Dezember 13, 2017

Es hilft nichts, das muss jetzt sein: Ich gehe in die Knie. Und greife ganz vorsichtig nach der glitzernden Schneedecke. Die einzelnen, weichen Kristalle, die in der Hand sofort schmelzen, faszinieren mich! Klar, sie sehen jedes Jahr gleich aus und Schnee sollte mich eigentlich nicht mehr erstaunen. Aber trotzdem: Es hat was Magisches, wenn das Land in Weiß gehüllt ist.
Es ist Sonntag und was gibt es Schöneres, als ihn inmitten einer zauberhaften Winterlandschaft zu genießen?

Eine nahezu geschlossene Schneedecke im Dezember ist hierzulande eher ungewöhnlich und wir entschlossen uns spontan Schneeschuhwandern zu gehen. Da ich kein Fan von Skitouren bin, weil ich Skifahren im Gelände auf nicht präpariertem Untergrund nicht mag, ist Schneeschuhwandern die perfekte Alternative, um trotzdem die Winterlandschaft abseits von Menschenmassen zu bewundern.

Die Wärme der Autoheizung ist rasch verflogen, sogleich umhüllt uns die eisige Luft. Die Sonne lässt sich hinter den Wolken erahnen, dennoch hat der Hochnebel die Berge um uns fest im Griff. Und auch der Wind lässt es sich nicht nehmen, uns auf unserem Ausflug zu begleiten.
Schnell marschieren wir los, um der Kälte keine Chance zu lassen, unter die Kleidung zu kriechen.


Und plötzlich ist da diese Stille, nur das monotone Knacken des Schnees unter unseren Füßen ist zu hören. Nach einer hektischen, lauten Woche mit vielen Eindrücken kann die Stille im ersten Moment fast schon unheimlich sein! Nun steht die Entscheidung an: Bleibe ich mit meinen Gedanken im Hier und Jetzt und nehme die Eindrücke der Wanderung intensiv in mir auf? Oder lass ich sie schweifen und nutze den vorerst leichten Weg bergauf zum Nachdenken über alles wofür im Alltag keine Zeit bleibt?

Ich entscheide mich dafür, meine Wahrnehmung für meine Umgebung zu schärfen und merke erneut, wie weich der Schnee ist. Unglaublich! Es ist ein richtig schönes Gefühl, mit dem Ski-, bzw. eigentlich eher mit dem Wanderstock den Schnee zu berühren.
Zuerst verläuft unsere Tour durch den Wald, wo wir uns regelmäßig unter den tief hängenden Ästen mit ihrem Kleid aus glitzernden Schneekristallen hinwegducken. Nach einer guten Stunde wird es deutlich steiler und wir kämpfen uns schwer atmend den Hang empor. Oben angekommen sehen wir erst mal nichts, denn hier wird der Nebel immer dichter.

Wir wandern auf dem Bergrücken entlang, es geht gemächlich bergauf. Viel Schnee liegt hier nicht, der Wind hat den Großteil verblasen. Die eisigen Böen sind deutlich zu spüren, meine rechte Wange und meine Nase sind ziemlich kalt. JETZT ist der richtige Zeitpunkt in Erinnerung zu rufen, dass Schneeschuhwandern eigentlich Spaß macht und schön ist. Denn die Füße brennen bereits und die Witterungsverhältnisse hier oben gestalten sich nicht gerade einladend. Ein paar Skitourengeher kommen uns entgegen und: Sie TRAGEN ihre Ski hinunter, weil an dieser Stelle einfach zu wenig Schnee liegt – man will sich schließlich die neuen Ski nicht kaputt machen.

Wir keuchen weiter bergauf und kommen dem Gipfel immer näher. Er ist gehüllt in ein kleines Waldstück – schnell rein, denn da sind wir windgeschützt. Der eine Schritt, zwischen die Bäume hindurch in den Wald war wie wenn man durch eine Tür in eine andere Welt tritt. Gefühlte fünf Grad kälter, dafür mit einem Schlag nicht nur windstill sondern auch generell leise, fühle ich mich wie in einem Märchenwald. Hier liegt wieder deutlich mehr Schnee und alles verharrt regungslos. Kein Ast bewegt sich, kein Schneekristall tanzt im Wind. Nur Stille. Naja, bis auf unseren Atem 😉


Irgendwann erreichen wir dann verschwitzt das Gipfelkreuz. Schnell wird gejausnet, dann geht’s schon wieder talwärts. Minus 13 Grad laden schließlich nicht unbedingt zum Verweilen 😉


Bergabgehen ist für mich so eine Sache… In diesem Fall liegt auf den meisten Abschnitten der Wanderung sehr viel Schnee. Das bedeutet, dass man bei keinem Schritt voraussagen kann, wie weit man einsinkt bzw. dahinrutscht. Es könnten 5 cm, 10 cm, aber auch 50 cm oder mehr sein. Und das unabhängig davon, ob die Person vor dir, dort schon einen Fuß hingesetzt hat und schwerer oder leichter als du selbst ist. Unsere Wanderung verlangt hier sehr viel Konzentration. Häufig gibt einer von uns einen erschrockenen Laut von sich. Weh tut sich zum Glück keiner.

Doch einmal steckt Mama so richtig fest. Sie ist mit dem linken Fuß beinahe bis zur Hüfte eingesunken. Mein Papa, meine Schwester und ich sind schon ein Stück weiter und beobachten die Szene von unten. Sie kommt nicht raus und beginnt sich selbst bzw. ihren Fuß auszubuddeln. Meine Schwester zerkugelt sich angesichts ihres Anblicks im Schnee. Ich scherze: „Wir holen dich dann im Frühjahr wieder ab, wenn der Schnee geschmolzen ist und dein Fuß wieder freigelegt ist“. Auch Papa kann sich einen bösen Kommentar nicht verkneifen: „Ihr seid die ersten Schneeschuhwanderer, die runter länger brauchen als rauf!“


Nach kurzer Zeit hat sich Mama aber selbst befreit und wir setzen unsere Wanderung fort. Eigentlich dachte ich, wir hätten das „Schlimmste“ bereits überstanden, doch da kommt noch eine Schlüsselstelle: Es geht so steil bergab, dass es wenig ratsam ist, da „normal“ runter zu gehen. Wir entscheiden uns, das Stück verkehrt zu bewältigen und dabei unsere Art Steigeisen an den Schneeschuhen zu benutzen. Gesagt getan – allerdings mit mehr Angst als Respekt.

Letztlich meistern wir auch diese Passage und ich bin dann doch ziemlich froh, als wir wieder am Ausgangspunkt ankommen. Es war anstrengend, aber es hat sich gelohnt. Die Bilder spiegeln meine Eindrücke leider nur mäßig gut wieder. Da meine Finger sofort kalt wurden, wenn ich aus den Handschuhen schlüpfte, gibts nur ein paar schnelle Handyfotos… Trotzdem wollt ich euch unbedingt zeigen, dass sich so eine Wanderung allein wegen der zauberhaften Natur schon auszahlt – da reden wir noch nicht von dem guten Gefühl am Abend, nachdem man sich an der frischen Luft bewegt hat 🙂

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